Schachverlag Kania
  Richard-Wagner-Str. 43  71701 Schwieberdingen
 Tel./Fax 07150/37098
e-Mail: Keilhack@aol.com

 


Raetzki/Tschetwerik
Die Katalanische Eröffnung
207 Seiten, gebunden, Euro 17,50
Erschienen Februar 2002
ISBN 3-931192-19-9

Die Katalanische Eröffnung - charakterisiert durch den Aufbau d4/c4/Sf3/g3/Lg2 - gilt mancherorts als die „Eröffnung der Friedfertigen“: als harmlos und fade. Tatsächlich ist es ein Kampf voller positioneller Feinheiten, und die kleinste Ungenauigkeit läßt den Nachziehenden in einer hoffnungslos passiven Stellung zurück. In den weniger ruhigen Spielweisen, z.B. mit ...d:c4 und ...a6/...b5, klammert sich der Schwarze an den Gambitbauern; aufregende Verwicklungen sind die Folge.

Das hier vorgestellte Eröffnungssystem besticht durch seine große Flexibilität. Katalanisch kann gegen das Orthodoxe Damengambit und gegen Indische Systeme eingesetzt werden und wird vielfach auch per Zugumstellung über Englisch oder die Reti-Eröffnung erreicht. In Büchern über die beiden letztgenannten Eröffnungen, 1.c4 bzw. 1.Sf3, werden katalanische Stellungen jedoch nicht besprochen.

Die Autoren, IM Raetzki und FM Tschetwerik aus Woronesh/Rußland, haben im Kania-Verlag bereits ein gut aufgenommenes Buch über das Albins Gegengambit herausgegeben. Sie warten hier erneut mit zahlreichen eigenen Analysen und Anregungen auf. Zusammen mit Erläuterungen über Feinheiten von Zugfolgen und Zugumstellungen ergibt sich eine überzeugende wie objektive Darstellung der Eröffnung, mit Schwerpunkt auf den aktuellsten und aussichtsreichsten Spielweisen für Weiß.

Einführungstext der Autoren:

Thema dieser Monographie ist eine sehr feinsinnige Spielweise - die Katalanische Eröffnung. Diese ziemlich junge Eröffnung erhielt ihren Namen nach einem Turnier in der Hauptstadt Kataloniens: Barcelona 1929. Nachdem Sizilien, Italien, Spanien usw. schon längst nach ihnen benannte Eröffnungen hatten, wollte Savielly Tartakower auch diese historisch berühmte Region in der Schachtheorie verewigt sehen. In einer seiner Partien wählte er eine Aufstellung, die an die heut-zutage moderne Behandlung des Geschlossenen Systems erinnert.
Doch schon aus dem XIX. Jahrhundert ist uns eine entsprechende Partie bekannt, nämlich Blackburne - Baird, Leipzig 1894:
1.d4 d5 2.Sf3 Sf6 3.g3 e6 4.Lg2 Le7 5.0-0 0-0 6.c4 c6 7.Sc3 Sfd7 8.Db3 Db6 9.c5 D:b3 10.a:b3 e5 11.b4 Lf6 12.e3 Sa6 13.b5 Sb4 14.Ta4 Sd3 15.Td1 S:c1 16.T:c1 usw. (1:0/37.).
Die aus dem spanischen Königreich stammende Eröffnung erwies sich bald als Günstling der Schachkönige. Im WM-Revanche-Match Aljechin - Euwe 1937 erhielt sie ihre moderne Gestalt. Fast alle späteren Weltmeister wandten die Katalanische Eröffnung an. Als besonders namhafte Spezialisten können heutzutage Garry Kasparow und der Fide-Weltmeister von 1999, Alexander Khalifman, gelten.
Nach 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.g3 ist sowohl Nimzowitsch-Indisch wie auch Damenindisch praktisch ausgeschlossen. Das Spiel kann zwei prinzipielle Richtungen nehmen: Das Offene System mit 3...d5 4.Sf3 d:c4 5.Lg2 (bzw. 5.Da4+), oder das Geschlossene System mit 4...Le7, ohne späteres ...d:c4. Weiß strebt in beiden Fällen nach einem Übergewicht im Zentrum, gewöhnlich mittels e2-e4. Der starke Lg2 unterstützt dies aktiv und erschwert außerdem die Entwicklung des gegnerischen Damenflügels.
Inzwischen ist die Anzahl der mit der Katalanischen Eröffnung begonnenen Partien unüberschaubar groß. Die „offizielle“ Zugreihenfolge in den Enzyklopädien lautet 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sf3 Sf6 4.g3, also Damengambit. Tatsächlich aber ist Katalanisch viel mehr als nur ein Teilbereich des Orthodoxen Damengambits, neben der bereits erwähnten Folge 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.g3 entsteht Katalanisch auch häufig über Slawisch, Englisch oder die Reti-Eröffnung. Die Popularität der Eröffnung wächst von Jahrzehnt zu Jahrzehnt.
Mithin hat der Umfang an verfügbarer Information ein Maß angenommen, daß ein Komplettwerk - selbst in nonverbaler, enzyklopädischer Form - einen Umfang hätte, der nicht mehr als zeitgemäß erachtet würde. Werke mit einem Gesamtumfang jenseits der 500 Seiten waren in früheren informationsärmeren Zeiten mehr „in“ als heutzutage. Deshalb haben wir uns entschlossen, hier nur die aus unserer Sicht aussichtsreichsten Spielweisen für Weiß vorzustellen. Im Offenen System ist dies das Katalanische Gambit - 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sf3 Sf6 4.g3 d:c4 5.Lg2 - nicht 5.Da4+, was den Bauern gleich zurückgewinnt (per Zugumstellung werden mitunter dennoch Da4-Spielweisen berührt).
Dennoch soll dies keinesfalls ein typisches „Repertoirebuch“ sein. An vielen Stellen bieten wir für Weiß Alternativen an, die verschiedene Spielstile befriedigen sollten. Für den Nachziehenden empfehlen wir insbesondere 5...Sc6, die Darstellung im entsprechenden Kapitel ist solcherart, daß sich für beide Seiten ein komplettes Repertoire ergibt. Auch die übrigen Kapitel mögen den Schwarzspielern insofern von Nutzen sein, daß ihnen - neben allgemeinen Spielprinzipien - die aktuellsten und derzeit aussichsreichsten Systeme für Weiß vorgestellt werden.
Die Autoren sind schon lange Anhänger dieser Eröffnung und wenden sie häufig in ihrer Praxis an. Wir greifen daher oft auf unsere eigenen Partien und Analysen zurück, viele davon sind hier erstmalig veröffentlicht. Bei der Auswahl von fremdem Material haben wir vorrangig die modernsten Partien und Analysen von den größten Kapazitäten dieser Eröffnung berücksichtigt. Bei der Darstellung be-schränken wir uns nicht auf nackte Varianten, sondern bemühen uns, die Pläne für beide Seiten aufzuzeigen. Allgegenwärtig sind - die in der Katalanischen Eröffnung besonders häufigen - Zugumstellungen; Verweise und Quervergleiche zwischen Varianten sind entsprechend an der Tagesordnung.
Zum Schluß empfehlen wir zum weitergehenden Studium das grundlegende Werk von Jakow Neistadt sowie das interessante Büchlein von Angus Dunnington, „Winning with the Catalan“.

IM Alexander Raetzki
FM Maxim Tschetwerik

Woronesh, im August 2001

Kleine Lese- und Layoutprobe: