1.d4 Sf6
2.c4 e6
3.Sf3 b6
4.g3 La6
5.b3
Für mich eine der unangenehmsten Varianten im Dameninder, da Schwarz
daran gehindert wird, zu igeln (...c5 kann immer mit dem "Durchzug"
d5 beantwortet werden - i.G. zu den Alternativzügen 5.Da4/c2 bzw. 5.Sbd2 Lb7
6.Lg2 c5!). Meistens ergeben sich Stellungen, in denen Schwarz lange Zeit um
den Ausgleich kämpfen muß. Gerade gegen einen zähen Positionsspieler wie Dautov
ist so eine Ausgangslage besonders unangenehm, was ich bereits schon einmal
leidvoll erfahren mußte: vor Jahren saß ich ihm gegenüber mit derselben Variante,
kämpfte fünf Stunden um den Ausgleich, um letztlich doch zu verlieren! Diesmal
wollte ich irgendwie nach akivem Gegenspiel Ausschau halten.
5...Lb7 6.Lg2
Lb4+ 7.Ld2
a5 8.0-0
0-0 9.Sc3
d6
Runden später wählte Epischin im Spitzenkampf gegen Dautov ...d5. Damit
kontrolliert Schwarz bequem das Feld e4, er mußte jedoch seine Bauernformation
festlegen und dem Lb7 die Sicht versperren. Der zurückhaltende Textzug verrät,
daß Schwarz e4 mit reinem Figurenspiel beherrscht halten will und dafür bereit
ist, sein Läuferpaaar zu geben:
10.Dc2 Sbd7
11.Tfe1 Lxc3!
Erzwungen, denn sonst folgt e4.
12.Lxc3 Le4
13.Dc1
Ich konnte mich während der Partie nur ungenau an unsere erste Begegnung
erinnern und wußte nicht mehr, daß wir damals exakt dieselbe Stellung erreichten.
Die schwarze Bauernstellung ist noch recht flexibel, doch tendenziell peilt
er an, sie auf weiße Felder zu stellen, um den schwarzfeldrigen Läufer des Weißen
kaltzustellen. Seine Hoffnung ist dabei, die Weißfeldrigen tauschen zu können,
um das weiße Läuferpaar halbieren zu können. Der weiße Plan sieht die Rückgewinnung
des wichtigen Zentralfeldes e4 vor. Dazu muß der Sf3 ziehen, zuvor sollte aber
der Lg2 dem Abtausch entgehen. Damals, in Böblingen 1996 geschah 13. ...Db8?!
14.Lh3! c6 15.Sh4!? h6 16.f3 Lh7 17.e4. Weiß besaß etwas Raumvorteil plus Läuferpaar,
genug also, um mich stundenlang zu würgen. In der fünften Stunde brach ich dann
zusammen. Es war also an der Zeit, aktiver zu spielen:
13...b5!?
Eine astreine Neuerung! Die positionelle Idee hinter diesem Zug (Beherrschung
der weißen Felder) ist freilich nicht neu und in ähnlichen Stellungen z.B. von
Mickey Adams oft und mit Erfolg angewendet worden. Meistens sind bereits schon
die a-Bauern getauscht und wenn Weiß dann auf b5 schlägt, sind seine isolierten
b-Bauern auch keine Augenweide.
14.cxb5 a4[]
Sonst verankert Weiß mit a4 den Mehrbauern.
15.b4!?
Überraschte mich etwas. Ich erwartete 15.Sd2
Lxg2 16.Kxg2
Db8 17.bxa4
Txa4 18.Db2
, doch nach 18...Da7 19.e4
Ta8 hat Schwarz genügend
Gegenspiel.; Vielleicht war exakter sogleich 15.Lf1
axb3!? (15...Sb6
16.Sd2 axb3
17.f3 Lb7
18.Sxb3+/- ; 15...Lxf3!
16.exf3 Sb6
, ähnlich zur Partie) 16.a4
c6! 17.Db2
cxb5 18.axb5
Ld5 19.Sd2+/=
15...Db8?!
Etwas unnötig. Sogleich 15...Sb6
oder Dautovs Vorschlag 15...Ld5!
/\16.Lf1 Lc4
17.e4 Lxf1
18.Kxf1 Db8=/+
waren gut spielbar. Ich sehe keine Probleme für Schwarz.
16.Lf1! Lxf3!
16...Dxb5 17.Sd2
Dh5 18.f3
Lb7 19.e4+/=
führt nur dazu, daß die weißen Bauern und Figuren Dynamik entwickeln. Sschwarz
hofft nun, durch die Blockade auf d5 eine uneinnehmbare Festung aufbauen zu
können. Ich denke, der Plan hat gute Erfolgsaussichten.
17.exf3 Sd5
18.a3 S7b6
19.Lb2 Dd8
Die Dame gehört nun auf den Königsflügel, wo sie devensive wie offensive
Aufgaben wahrnehmen kann. Überhaupt wird es in der Folge davon abhängen, wie
es am Königsflügel weitergeht. Allein am Damenflügel kommt Weiß nicht recht
weiter, die Schwächen a4 und c7 kann Schwarz zur Not überdecken. Ich wunderte
mich zunächst, warum Dautov nicht den nahe liegenden Zug f4 machte, um den Doppelbauern
eventuell durch f5 aufzulösen. Doch damit würde er dem Lb2 die Diagonale c1-h6
versperren, und das ist die einzige, die ihm noch Zukunftsperspektiven bietet.
20.Dc2 Df6
21.Ld3!
Weiß erzwingt eine Entscheidung bzw. eine Schwächung im schwarzen Lager.
21...g6!?
Sieht gewagt aus: die Diagonale c1-h6 wird geschwächt und der Hebel
h4-h5 gerät ins Blickfeld. Mag sein, daß ...h6 im Sinne einer rein passiven
Verteidigung angebrachter ist - der Textzug ist provokanter und kalkuliert mit
Gegenspiel. - 21...Dh6!?.
22.De2 Dg7
23.Tac1 Tfe8!
Was ist zu tun? Züge des f-Bauern haben eine Jokerrolle inne und sollten
vorerst vermieden und erst als Reaktion auf weißes Angriffsansinnen erwogen
werden. Bleibt noch die Turmaufstellung: wo gehören die Teile hin? Meine Lösung
ist, denke ich, recht gelungen: ein Turm sollte immer bereit sein, den Damenflügel
(sprich a4) zu verteidigen, ein anderer sollte auf der siebten Reihe plaziert
sein, von wo aus er eine ökonomische Wirkung entfaltet: deckt c7 und kann (nach
f7-f6-f5) auch offensiv eingesetzt werden. Optimal ist dabei e7, denn der Be6
bleibt ebenso überdeckt (was einen Zug des f-Bauern erst ermöglicht!).
24.h4 Te7!
25.Kg2 Tf8
Nachdem Weiß offenkundig Aktionen auf der h-Linie beabsichtigt, verstärkt
Schhwarz sein Potential in diesem Abschnitt des Brettes.
26.Dd2
26.Tc6 nebst Lc1
kam in Frage.; 26.h5 g5?!
(26...gxh5!? ) 27.h6
Dh8 28.Dd2
sieht aussichtsreich für Weiß aus. Es beginnt die Phase, in der Dautov viel
Zeit verbrauchte und recht unentschlossen agierte.
26...f5!?
Nun entschließe ich mich zu aktiven Maßnahmen. Warum sollte nicht auch
Schwarz die Initiative am Königsflügel übernehmen - freilich war dies zuerst
als Prophylaxe gegen h5 gedacht.
27.Lb1
27.Tc6
27...Df6
Liebäugelt mit ...f4, worauf Weiß zumindest nicht mehr g4 erwidern kann.
28.Te2?
Ein recht unglücklicher Zug, der erst Gabelmotive auf f3 entstehen läßt
und Schwarz die Gelegenheit zum Losschlagen gibt. Man muß sich die psychologische
Situation Dautovs vor Augen führen: er ist von einem kleinen, aber dauerhaften
Vorteil überzeugt. Sein Hauptproblem ist die Frage: komme ich durch und wie
komme ich durch? Dabei hoffte er bestimmt auch, daß ich mich zu überaggressivem
Spiel verleiten lasse und mich selber schwäche. Wahrscheinlich mag er nicht
daran gedacht haben, daß ihm selbst Gefahr drohen könnte - da schlägt Schwarz
los, gerade, als die Zeitnot naht! [28.Dh6
Dg7+/= ; 28.Kh3!?
/\f4 29.g4
]
28...f4! 29.Le4!?
29.Dd3= sah er nachher
als besser an. Das ist sicherer, aber mit Vorteil kann er auch nicht damit rechnen.
29...Tef7 (29...g5?!
30.Th1 g4
31.Te4! Tg7?!
32.fxg4+/- ) 30.Tf1
g5?! 31.hxg5
Dxg5 32.Txe6?
(32.Lc1+/- ) 32...fxg3
33.Lc1 Dxc1!
29...g5!
Das hatte er unterschätzt. Er verbrauchte nun beinahe seine Restbedenkzeit!
30.g4!?
30.hxg5 Dxg5
31.Tg1 Tg7->.
30...h5!
Nur nicht auf halber Strecke stehen bleiben - 30...gxh4
31.Kh3+/=.
31.gxh5 g4!
Alles geht nur wegen der Turmstellung auf e2
32.Th1!?
32.Dd3!? Dxh4
33.Th1 Dg5
34.Kf1 g3~~
; 32.Tg1 Tg7
(32...Dxh4 33.fxg4?!
f3+ 34.Lxf3
Txf3 35.Kxf3
Dh3+ 36.Tg3
Dh1+ 37.Tg2
Tf7+ 38.Kg3
Sf4-/+ ) 33.Lg6
Dxh4 34.Kf1
gxf3 35.Te4
Dh3+ 36.Ke1
Dxh5!-+ .
32...Sc4!?
Hier hatte ich das dringende Gefühl, daß die richtige Kombination der
Möglichkeiten ...Tg7, gxf3+, ...Sc4 und ...Se3+ zum Gewinn führen sollte. Scheinbar
ist dem nicht ganz so, der Computer findet immer noch eine Parade für Weiß.
Allerdings ist dieVerteidigung, zumal in Zeitnot, sehr schwierig und Weiß balanciert
am Abgrund. 32...Tg7 33.Tee1!
(33.Lg6 Se3+!
34.fxe3 gxf3+-+
) 33...Se3+? (33...gxf3+
34.Kxf3 Se3
35.Thg1! ) 34.fxe3
gxf3+ 35.Kf1.
33.Dd3?
Sollte verlieren. Auch 33.Dc2
gxf3+ 34.Kxf3
Sce3 35.fxe3?
fxe3+ 36.Kg3
Tg7+ 37.Lg6
Sf4-+ ist ungenügend. Nur;
33.Dc1! versprach noch genügend
Ressourcen. Die Opfer dringen nun nicht durch, man sehe: 33...Sce3+?!
(33...gxf3+ 34.Kxf3
Sde3 35.fxe3
fxe3+ 36.Kg2
d5 37.Kh3
Sxb2 38.Tg1+
Kh8 39.Dxb2
dxe4 40.Txe3+/-
) 34.fxe3 (34.Kg1
gxf3 ) 34...gxf3+
35.Lxf3 fxe3
36.Txe3+/- Eigentlich ist
es sehr schade und enttäuschend für den Kommentator, sehen zu müssen, daß trotz
der vielen starken Züge zuvor Schwarz immer noch keine Ausgleichsgarantie haben
soll. War doch alles nicht ganz so stark?
33...Sce3+! 34.fxe3
34.Kg1 gxf3
35.Td2 Tg7+
36.Lg6 Sf5
37.Dxf3 Sxh4-/+.
34...fxe3??
Läßt sich vom Gabelmotiv auf f4 verleiten. dabei hatte ich zunächst vorgehabt,
den richtigen, gewinnenden Zwischentausch auf f3 zu machen und zudem noch ausreichend
Bedenkzeit, bis ich dann recht impulsiv auf e3 nahm, auch, um ihm keine Atempause
zu lassen. Allerdings war mir völlig entgangen, daß er den König ziehen kann:
[34...gxf3+ 35.Lxf3
fxe3 36.Lxd5
exd5 37.h6
Te4!-+.
35.Kg1!+/-
Ich hatte nur 35.Lxd5
gxf3+-/+ erwartet.
35...Df4?!
35...gxf3 36.Txe3
ist besser für Weiß, wäre aber noch das kleinere Übel gewesen.
36.Tg2!+- Tg7
37.h6! Dxh6
38.Lxd5 exd5
39.fxg4 Df4
40.De2
Leider hat er die 40 Züge geschafft - und sogar mit einer Figur mehr! Erstaunlicherweise
kann Schwarz noch Probleme bereiten, wenngleich Dautov letztendlich diese doch
meisterte:
40...De4 41.Th3
Te7 42.Kh2
Df4+ 43.Thg3
Tf6 44.h5
Te4 45.Lc1
Tfe6 46.Kg1
Df6 47.Lb2
Tf4 48.Lc3
Tee4 49.g5
De5 50.h6
Th4 51.Th2
Txh2 52.Kxh2
Th4+ 53.Kg1
De4 54.Tg2
Th3 55.Le1
Db1 56.g6
Kh8 57.Df1
Schade eigentlich - eigentlich eine tolle Partie von mir und für mich, allerdings
mit einem unbefriedigenden Ende...
1-0