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Leserwettbewerb der Stuttgarter Zeitung
28.1.2001: Auflösung
Zu unserem
traditionellen Wettbewerb seien die StZ-Leser eingeladen. Unter den Einsendern
richtiger Lösungen von A und B werden folgende Preise verlost: eine Micro-Stereoanlage,
ein schnurloses Telefon sowie ein Kaffeeautomat. Dazu zahlreiche Buchpreise.
Bei der Zusammenstellung der Aufgaben war Günther Weeth (Stuttgart) behilflich.
Wir wünschen allen Lesern viel Spaß beim Lösen!
A: Motwani/Merkin, Nachdruck

Weiß hat zuletzt
einen Bauern umgewandelt, Schwarz ist am Zug. (4+2)
a) Wie erzwingt Schwarz ein Remis?
b) Wie war die Stellung zuvor? (Schwarz hat selbst nie umgewandelt)
c) Wie konnte Weiß statt dessen gewinnen?
B: Karl Reichardt, Version Weeth/Keym
Setze beide Könige ein, dann Matt in einem Zug. Wieviele Lösungen? (11+13+1+1)
Ø
Soweit der Wettbewerb. Wer noch Zeit und Lust hat, möge sich mit den drei folgenden Aufgaben beschäftigen. Alle Einsender vollständig richtiger Lösungen werden bei der Besprechung im Januar namentlich genannt, zudem werden unter diesen drei Exemplare der Retroschachbroschüre Tatort Schachbrett von Josef Haas verlost.
C: Josef Haas, Nachdruck

Matt in einem Zug (12+8)
D:
Werner Keym/Günther Weeth, Urdruck
Achtung, Korrekturfassung !!

Weiß nimmt seinen letzten Zug zurück, dann Matt in drei Zügen (10+9)
E: Nachdruck

Füge einen schwarzen Stein ein, danach setzt Weiß einzügig matt (11+10+1)
Ø
Einsendungen werden bis
15. Januar (Poststempel) erbeten an die Stuttgarter Zeitung (Schach), Postfach
106032, 70049 Stuttgart. Bei C-E bitte kurze Begründung.
Internet: www.stuttgarterzeitung.de/schach
Auflösung
Gewinner: Herbert Schnaitmann
Teil I: Aus: Stuttgarter Zeitung, 20.1.2001
Hier meine Lösungen, geprägt von Zweifeln und Optimismus. Denn nur ein Tor kann sich davon freifühlen, wenn der Ring freigemacht wird für die Stuttgarter Problemgiganten gegen uns Winzlinge. Als Altlöser habe ich oft gelitten, gehofft, geflucht ... (Rodolfo Buhse, Meppen).
Unser Dank geht an die
geduldige Le(ö)serschaft, die trotz anderthalb mißglückten Aufgaben
mehr an sich selbst denn an den Giganten zweifelte. Unsere herzliche
Entschuldigung insbesondere an die Leser, die sich an der zunächst unlösbaren
Aufgabe D versuchten. Kein Diagrammfehler, nein, das interne Prüfkomitee
hatte versagt.
A: Motwani/Merkin, aus Motwani: Chess under the Microscope, Batsford 1998

Weiß hat zuletzt
einen Bauern umgewandelt, Schwarz ist am Zug. (4+2)
a) Wie erzwingt Schwarz ein Remis?
b) Wie war die Stellung zuvor? (Schwarz hat selbst nie umgewandelt)
c) Wie konnte Weiß statt dessen gewinnen?
Diese Aufgabe wurde von
fast allen Einsendern anstandslos bewältigt. Schwarz remisiert mit 1...Le5!
2.D:e5 patt, sonst Zugzwang. Weiß spielte zuletzt g7:Sh8 (D/T
illegales Schach, L - keine Umwandlung). Gewonnen hätte nur die Umwandlung
in einen Läufer, 1.g7:Sh8L.
B: Karl Reichardt, Version Weeth/Keym
Setze beide Könige ein, dann Matt in einem Zug. Wieviele Lösungen? (11+13+1+1)
Im Original stand auf
a4 ein wB, und die Forderung war: Beide Könige sind einzusetzen, dann setzt
Weiß einzügig matt. Die niedliche Aufgabe, aufgelesen in der Zeitschrift
SchachMarkt (Verlag Werner Rätz, Bretten) 6/98, schien unseren Experten
jedoch zu dünn.
Die abgeänderte Forderung hatte es freilich in sich, die (Neben-)Lösungen
wurden von den Autoren teils selbst erst verspätet entdeckt. Reparaturvorschlag
Keym: ein zusätzlicher wSb6.
Zunächst die hübsche Autorlösung aus der Originalfassung: wKd8,
sKa7, 1.c8S#!.
Viele Löser beliessen es dabei, stellvertretend sei Siegfried Ilg (Stuttgart)
zitiert: Eine zweite Lösung sehe ich überhaupt nicht. Ich hatte
erhebliche Mühe, ein lausiges Feldchen für den wK zu finden. So stellte
ich ihn einfach ins Schach. Geht doch auch!
Eine zweite Gruppe von Lösern war spitzfindig, stellte den wK nach d7 und
setzte diesen auf verschiedene Weise matt - das ist nicht zulässig! Schwarz
darf in Schachaufgaben aber nur beginnen, wenn aus der Stellung eindeutig hervorgeht,
dass Weiß nicht am Zug sein kann. Statt dessen löst:
wKd7, sKf1, 0...K:f2 1.Dg3#
wKb8, sKb6, 1.K:a8 Sc7#.
wKd6, sKf6, 1.T:e8 Dc6#.
wKd8, sK auf elf Feldern, 1.c8D D:c8#.
Illegal sind wKh8, sKg5, 1.K:h7 Sf6# sowie ein ganz frecher Leservorschlag mit
wKe6, wKe4, 1.Kd7#. Ein Sonderlob an R. Eilenberger (ziemlich eklige Aufgabe)
und andere, die sich einen Aufstieg ins Prüfgremium verdient hätten.
Für den Wettbewerb wurden freilich alle Einsendungen mit a7:b6/b6:a7 wenigstens
einer korrekten Lösung anerkannt.
Teil II: Aus: Stuttgarter Zeitung, 27.1.2001
68 Einsendungen mit 57
richtigen Lösungen brachte unser Weihnachtswettbewerb. Als Gewinner wurden
gezogen:
1. Preis (Minowa-Stereoanlage):
Herbert Schnaitmann aus Grunbach
2. Preis (schnurloses Telefon):
Jens Guballa aus Tamm
3. Preis (Designer-Kaffeeautomat):
Norbert Derksen aus Konstanz
Gute Resonanz hatte die
erstmalige Veröffentlichung im Internet. 23 Teilnehmer, darunter viele
Stammlöser, schickten ihre Lösungen per e-Mail. 71% versuchten sich
auch an der Kür (C-E). Der leichte Hauptwettbewerb (A+B) war
ungewollt schwer wegen der Nebenlösung(en) bei B. Richtig gelöst wurden
A zu 98%, B zu 85% (Kulanz, sinkt auf 14% beim Anlegen strenger Maßstäbe!),
C zu 62%, D zu 53%, E zu 69%.
22 Leser hatten die Aufgaben C-E richtig, nämlich H. Lang (Leimen), W.
Priepke (Dresden), U. Cramer (Karlsruhe), H. Juel (Lyngby/Dänm.), K. Roscher,
R. Krätschmer (beide Ngemünd), N. Derksen (Konstanz), H. Geier
(Karlsruhe), B. Schuh (Leonberg), P. Schäfer (Fischbach), E. Mozer (Vaihingen);
sowie mit Auszeichnung (strenge Bearbeitung von B) J. Berthel, T.
Lutzius (beide Stuttgart), N. Geissler, D. Fauth (beide München), K. Lorenz
(Marbach), R. Eilenberger (Dossenheim), U. Knöpp (Darmstadt), Gabriele
Bauers (Hamburg), J. Guballa (Tamm), U. Grosch (Hemmingen), E. Trefzer (Besigheim).
Die ausgelobten Broschüren Tatort Schachbrett von J. Haas gehen
an Lutzius, Schuh und Geier.
Die Redaktion dankt J.
de Heer (http:// catv6081.extern.kun.nl/~retro/),
O. Janko (http://janko.at/Schach/) und
R. Krätschmer (http://home.t-online.de/home/ralf.kraetschmer/)
und für die Verbreitung des Wettbewerbs im Internet. Sowie den Lösern
für die vielen detaillierten wie humorvollen Zuschriften, trotz der Pannen.
C: Josef Haas, Mannheimer Morgen 1976

Matt in einem Zug (12+8)
Schwarz hat kaum letzte
Züge, insbesondere nicht b3:a2. Die vier schwarzen Schlagfälle werden
von f- und h-Bauern aufgezehrt, am Damenflügel geschah zuletzt a3-a2, b2:a3.
Mithin 0...f7-f5 1.g:f6 e.p.#? Nein, das ist die Verführung! Wenn zuletzt
...f7-f5, wäre der Lg8 eine Umwandlungsfigur. In Anbetracht von b:a3 (s.
o.) bräuchten die wB dazu neun Schlagfälle, bei Schwarz fehlen aber
nur acht Steine. Also: Schwarz hat gar keinen letzten Zug und setzt mit 1...K:g6
selbst matt.
D: Werner
Keym/Günther Weeth, Urdruck
Korrekturfassung

Weiß nimmt seinen letzten Zug zurück, dann Matt in drei Zügen (10+9)
Die Aufgabe führte
auch ohne die Korrektur zu den meisten Diskussionen. Übrigens war nicht
ein Druckfehler die Ursache, vielmehr übersah das Prüfkomitee
die Verteidigung 1...Tf8! nach f5:g6 zurück, 1.0-0-0. So oder so, wir bitten
alle Leser um Entschuldigung. Manche rochen gar den Braten, fügten selbstständig
(vor Veröffentlichung der Korrektur!) Bc6 oder Be6 hinzu. Allerdings musste,
zur Verhinderung einer Nebenlösung, auch der Bb2 nach c2 verpflanzt werden.
In Kürze: Weiß nimmt f5:g6 e.p. zurück, spielt statt
dessen 1.0-0-0 und schafft damit Tatsachen, indem er den Td7 unwiderruflich
zur Umwandlungsfigur macht. Damit ist dem Schwarzen das Rochieren verboten,
und er ist gegen 2.Td8+ und 3.T1d7# machtlos. (Knöpp). Auf 1.Td1?
folgt indes 1...0-0!.
1.0-0-0 stellt klar, dass der Td7 nicht von h1 stammt und nach seiner Umwandlung
den sK in Bewegung gesetzt haben muss. Ein Herausspielen des Turms ohne Schachgebot
wäre nach Umwandlung auf a8 oder b8 möglich, wenn die sB mit a7:b6/b6:a7
über Kreuz geschlagen hätten. Aber: Mit den Bauern Bf4, f6, g7, h4,
h6 sind, nach Zurückstellen des B auf g7, bereits vier Schlagfälle
verbraucht, mit a7:b6/b6:a7 zwei weitere; Weiß hat zehn Steine, aber der
Th1 steht als Schlagobjekt für die Bauern nicht zur Verfügung!
Das erklärt auch, warum die Rücknahme von f5:Tg6 oder f5:e6 e.p. (beides
des Öfteren vorgeschlagen) nicht ausreicht: 1.0-0-0, und Schwarz verteidigt
sich mit 1...0-0!.
E: Raymond Smullyan (The Chess Mysteries of Sherlock Holmes), Version Weeth

Füge einen schwarzen Stein ein, danach setzt Weiß einzügig matt (11+10+1)
Das Matt mit 1.a:b6 e.p.#
liegt auf der Hand. Es ist eine Stellung zu schaffen, in der zwangsläufig
0...b7-b5 der letzte Zug war. Dies geschieht durch Hinzufügen eines sBf7:
Bd3 kommt dann von h7 (= 4 Schlagfälle, alle weißen Steine außer
dem schwarzfeldrigen Lc1), die anderen sB haben nie geschlagen. wBa5, b4, h3
verkörpern drei weiße Schlagfälle, bleiben zwei übrig.
Der Umwandlungsläufer ist aus dem Bf2 entstanden (nicht aus dem e-Bauer),
Umwandlung nur durch f2-f4-f5-f6:e7-e8L möglich. So hat Schwarz keinen
letzten Zug außer 0.L:c6+ b7-b5. K, L, S können nicht gezogen
haben, nicht a6:b5 (als Schlagobjekt nur noch der schwarzfeldrige Läufer
übrig), nicht d4-d3 (B kommt von h7), nicht e7-e6 (keine Umwandlung auf
e8 möglich), nicht d7-d5, weil der Umwandlungsläufer nicht von e8
herauskäme.
Verkehrt ist übrigens +sTd4, möglich dann e7-e8L, Lg6-e4-b7-c8 und
zuletzt ...d7-d5.