Weihnachts-Lösewettbewerb der

STUTTGARTER ZEITUNG

Auflösung

(originalveröffentlicht in der STUTTGARTER ZEITUNG vom 22. Januar und 29. Januar 2005)

Von Harald Keilhack


I: Gewinner der Hauptpreise


 

99 Einsendungen brachte unser Weihnachtswettbewerb, davon gelangten 81 in die Ziehung für die Hauptgewinne.
Die glücklichen Gewinner:

1. Preis (DVD-Player): Hannes Geier, Karlsruhe
2. Preis (Digitalkamera): Werner Pluschke, Böblingen
3. Preis (Espressoautomat): Kurt Lorenz, Marbach

A: Josef Haas, 156. Thematurnier Schwalbe Dezember 1976

Matt in drei Zügen. (5+1)

Allzu forsch war hier 1.Tb8 samt Zwillings- oder Nebenlösung 1.Tf8, wie von manch einem reklamiert. Tatsächlich hat Schwarz keinen letzten Zug, und die Lösung lautet:
0...K:d7 1.Kd5 K:e8/K:c8 2.Ke6/Kc6 Kf8/Kb8 3.Lf6#/Lb6#.
Posthumer Gruß vom Retro-Altmeister!

 

B: Günther Weeth, Stuttgart, Urdruck

Weiß nimmt seinen letzten Zug zurück und setzt statt dessen einzügig Matt. (4+2)

Die meisten Löser erkannten die Rücknahme von Sb3:Sa1! und stattdessen Sd2#. Die einfache Rücknahme von „Sb3:a1“ genügte uns nicht - nur der Entschlag eines Springers auf a1 stellt sicher, daß Schwarz auch einen letzten Zug hatte!

Alle, die bei A und B danebenlagen, sollten sich beim nächsten Mal die Warnung in der Vorrede zum Wettbewerb zu Herzen nehmen: Es ist stets darauf zu achten, ob Schwarz einen letzten Zug hatte!

 


II: Gewinner des Expertenwettbewerbes: Nur fünf Mitspieler lösten alle Aufgaben einwandfrei

 


70 Löser versuchten sich am Expertenwettbewerb, nur fünf bewältigten alle Aufgaben einwandfrei:

Thomas Lutzius (Stuttgart)
Jens Guballa (Tamm)
Gerson Berlinger (Friedrichshall)
Kurt Lorenz (Marbach) und
Mario Richter (Berlin)

Bei weiteren 12 fehlte entweder einmal eine Teillösung, oder aber die Begründung bei C erschien uns nicht ganz schlüssig:

Hans Pöthig, Peter Lau, Nils Empacher (alle Stuttgart), Horst Kiemele (Leonberg), Bernd Schwarzkopf (Neuss), Wolfgang Priepke (Dresden), Norbert Geisler, Dietmar Fauth (beide München), Karl Roscher (Neckargemünd), Rolf Sandau (Oberstenfeld), Paul Maier (Backnang), Hannu Harkola (Helsinki).

Für weitere gute Lösungen wurden Henrik Juel, Klaus Bernhardt, Herbert Lang, Jürgen Berthel, Hans Bergmann, B.M. Schuh, Hannu Lehto und Ulrich Knöpp ausgezeichnet; alle Genannten erhalten als Anerkennung das Buch „Schach-Höhepunkte“ von Harald Keilhack.

Völlig richtig lösten 25 Leser die Aufgabe C, 17 die D und zwölf die E. Im einzelnen:

 


III: Ausführliche Besprechung der Aufgaben C-E

 



C: Gabriele Bauers, Hamburg, Urdruck

Füge einen Bauern hinzu und setzte anschließend Matt in einem Zug. (11+13+1)

Ein weißer Bauer muß eingefügt werden (alle 8 von Schwarz sind auf dem Brett), und zwar nur auf den Linien d oder e (+Bh4?, Tf4#, illegal): Die schwarze Bauernstruktur zeigt vier Schlagfälle, die weiße drei (Bg5 und Überkreuzschläge a:b und b:a, etwa b2-b6, ...a7-a6, b6:a7, ...b7-b5, a2-a5, a5:b6, ...a6-a5, ...Lc8-a6, b6-b7, ...c7:b6, c2-c7, ...d7:c6), nach dem Einsetzen sind 25 Steine auf dem Brett.

Auch nicht +Be2? (Schlagobjekt Lf1 ausgesperrt).

Also: +wBe3, 1.e4#, davor geschah Td7-e7+ Ke5-f5.
Andere letzte Zugpaare, z.B. mit Le6-f5+ Ke5:f5, e6:d7+ oder Te8:e7+ ist wegen der Schlagfallbilanz nicht möglich - wie angedeutet haben die Bauern alle 7 fehlenden Steine "verzehrt".

Doch: „Bei dem Aufwand an Material so eine einfache Lösung? Ich suchte weiter.“ (Roscher)

Mithin: +wBd7, die Möglichkeit Te7+ Kf5 ist ausgeschaltet, also ist Schwarz am Zug und setzt mit 1...Sd6#! selbst matt!

Manche Löser hatten Schwierigkeiten sich vorzustellen, daß die Diagrammstellung bzw. erst recht die Stellung nach Einsetzen eines weiteren Steines überhaupt auf legale Weise erreicht werden kann. Diesem Nachweis dient die hier beigefügte Beweispartie mit zwei Abspielen für die Stellungen mit Be3 bzw. Bd7.

„Von der Autorin habe ich bisher noch nichts gehört. Ein neuer Stern am Retrohimmel oder ein Pseudonym?“ (Schwarzkopf)


D: Werner Keym (Meisenheim) und Günther Weeth (Stuttgart), Urdruck

Ergänze für Weiß eine Dame, den weißfeldrigen Läufer und zwei Bauern derart, dass Schwarz mit einem eindeutigen Zug mattgesetzt ist. (1+1+4)

 

Zwei Lösungen:

Lösung 1: Eindeutiger Mattzug b7:Sa8L#, ein seit Sam Loyd bekanntes Schema - zuletzt kann Schwarz nur S-(:)a8 gezogen haben, mithin auch der Bh2.

nach 1.b7:Sa8L# (links) - vor 1.b7:Sa8L# (rechts)

Lösung 2: Mattzug g2-g4 in der unten stehenden Stellung. „Der Läufer ist in dieser besonderen Stellung eingemauert und konnte somit nicht gerade etwas geschlagen haben“ (Lutzius).



Mitunter wurde das Wort „weißfeldrig“ überlesen, dies brachte Lösungen wie Dg1, Le3, Bg2, Bh2 und zuletzt nur Df2:Sg1# zutage.


E: Werner Keym (Meisenheim) und Günther Weeth (Stuttgart), Urdruck

Füge einen Stein - gleich welcher Farbe - derart hinzu, daß die Rochade für diese Partie ausgeschlossen ist. (10+11+1)

Vier Lösungen, wobei die Schwierigkeit darin lag, ebenso die plumpen wie die feinen-retroanalytischen Möglichkeiten zu erkennen:

a) +wSg7+, der schwarze König muß ziehen, plump.

b) +sDf1#, das Spiel ist aus und vorbei, Schwarz wird nicht mehr rochieren.

c) +sTd8, Retro „light“, Ke8 muß gezogen haben, um den (Umwandlungs-)Turm nach d8 zu lassen.

Manch erfahrener Löser (z.B. Fauth) roch förmlich, dass das noch nicht alles sein konnte. Dem Th8 müsste man doch etwas nachweisen können. So schildert es Peter Lau:

„Klar ist, dass die Td8-Lösung einer Aufgabe E dieses Wettbewerbs nicht würdig ist. Also beginnt an dieser Stelle der alljährliche Leidensweg, den ich nicht näher beschreiben möchte. Eher schon den Jubel, als nach vielen Stunden der fehlende schwarze Bauer zum mindestens zwanzigsten Mal in die Hand genommen und mindestens zum fünften Mal auf f6 eingefügt wird, und sich in den frühen Morgenstunden, lange nachdem die Heiligen Drei Könige zu Bett gegangen sind, so langsam die Lösung abzeichnet. Plötzlich werden die schwarzen Felder in der Nordostecke des Brettes knapp. Es dämmert - in jeder Beziehung.“

Also: +sBf6.

Der Bc2 hat sich von h7 durchgeschlagen, erst danach konnte d2-d3 geschehen. Erst jetzt sind Lc1 und Ta1 (wurde anschließend auf f6 geschlagen) beweglich. Die drei weißen Bauern-Schlagfälle erklären sich mit sD, sLf8 und sS (Ta8 verließ das Eck nie). Der Ba4 schlug zweimal „hell“, Bh4 muss den Lf8 auf dem Gewissen haben: g2-g3 und g3:Lh4.
Der Schlüssel ist das Timing von f4 und g3:h4. Da g7:Tf6 erst den Lf8 befreit (g3:Lh4 also später), musste f4 bereits geschehen sein, um den Turm via f3-e3 nach f6 zu bringen. Zuvor mußte der wLf8 ins rechte obere Eck gespielt werden, nach f4 gelangt er nicht mehr dorthin. Dann aber konnten die beiden schwarzfeldrigen Läufer auf den Feldern g5, f6, g7, f8 nicht aneinander vorbeirangiert worden sein - nur über h8, also Th8 hat schon gezogen. Unsere Entschuldigung an Löser, denen die Formulierung missverständlich erschien.

Hier durfte die Forderung keineswegs auf Rochaden im früheren Spielverlauf bezogen werden.

Der Dank gilt den Teilnehmern für die vielen humorvollen und herzlichen Schreiben: „Aufgaben, anregender als die meisten Krimis. Es ist unglaublich, welche Geschichten die fünf Positionen preisgeben können, wenn man sich in sie vertieft.“ (Bergmann)