23.12.2006/20.1.2007/27.1.2007

Leserwettbewerb der Stuttgarter Zeitung
Unten: Auflösung & Besprechung

 


Lösewettbewerb zu Weihnachten 2006

Fünf spannende Schachrätsel

Von Harald Keilhack, 23. Dezember 2006

Wie jedes Jahr seien die StZ- und Internetleser zu unserem Wettbewerb eingeladen. Unter den Einsendern richtiger Lösungen von A und B werden ein schnurloses Telefon, ein Grillmikrowellengerät und ein Farbfernseher verlost.

Achten Sie darauf, dass nach Zurücknehmen, Entfernen oder Platztausch eine legale (= durch regelkonforme Züge herbeizuführende) Stellung entsteht - und ebenso darauf, welche Seite in der entstandenen Stellung am Zug ist bzw. sein kann! In Studien und direkten Mattproblemen beginnt immer Weiß. Ausnahme: Die Stellung beweist das Gegenteil. Dann darf bei Retrorätseln unter Umständen auch mal Schwarz mattsetzen!

Ferner ist jeweils zu prüfen, ob es nicht mehr als eine Lösung gibt.

Wir wünschen viel Spaß beim Lösen!


A: Werner Keym, Urdruck

Matt in einem Zug. (5+3) Begründung!

B: Günther Weeth, Urdruck

Ein Stein ist zu entfernen! Dann Matt in einem Zug. (7+2) (–1)

Ø

Als Kür für unsere Experten drei weitere Rätsel. Bei D genügt die relativ kurze Hauptvariante (Zeitersparnis), der Computer lenkt übrigens eher ab. Bei E ist eine retroanalytische Begründung anzugeben.
Alle Einsender richtiger Lösungen der Aufgaben C bis E werden bei der Besprechung genannt und erhalten einen Buchpreis.

C: Bert Kölske, Urdruck

Schwarz nimmt seinen letzten Zug zurück, dann Hilfsmatt in zwei Zügen - Schwarz beginnt und hilft beim Mattsetzen. (3+3)

D: Einer Partie entlehnt

Gibt es angesichts des drohenden Damenverlusts und der vielen Minusbauern noch Hoffnung für Weiß am Zug? (7+10)

E: Günther Weeth, Urdruck

Zwei Steine tauschen ihre Plätze, dann Matt in zwei Zügen. (12+11)

Ø

Einsendungen werden bis 15. Januar (Poststempel) erbeten an die Stuttgarter Zeitung (Schach), Postfach 106032, 70049 Stuttgart.

Rückfragen etc.: Harald Keilhack

 


Lösewettbewerb I: Die Gewinner


Von Harald Keilhack, 20. Januar 2007

92 Einsendungen brachte unser Weihnachtslösewettbewerb, davon gelangten diesmal nur 38 mit richtigen Lösungen der Aufgaben A und B in die Preisziehung. Hier die glücklichen Gewinner:

1. Preis (schnurloses Telefon):
Klaus Bernhardt, Stuttgart

2. Preis (Grillmikrowellengerät):
HansBergmann, Aalen

3. Preis (Farbfernseher):
Werner Munk, Stuttgart

Besprechung der Aufgaben, Teil I:

A: Werner Keym, Urdruck

Matt in einem Zug. (5+3) Begründung!

Nun, jeder sah, dass es Probleme mit dem letzten schwarzen Zug gab, doch die meisten Löser zogen daraus eine voreilige Schlussfolgerung: Nämlich dass 1...Dc7# die gewünschte Lösung sei! Tatsächlich funktioniert der alte Haassche en-passant-Kniff:

Zuletzt Tc5-a5+, Lb2:a3+ oder Lc1-a3+, nun 1...c5 2.d5:c6+ K:c6 und 3.Db5#!. „Es bedarf schon des genauen Hinsehens, dass Schwarz ein Rückspiel hat. Aber das Warmspielen eine Woche zuvor (Nr. 4504) war ein netter Wink mit dem Zaunpfahl.“ (R. Sandau)

B: Günther Weeth, Urdruck

Ein Stein ist zu entfernen! Dann Matt in einem Zug. (7+2) (–1)

Nun, das Matt mit Sc3# liegt auf der Hand, doch ebenso offensichtlich ist die Stellung im Moment illegal. Nach Entfernen des Bb2 ändert sich dies, doch wie lautete der letzte Zug von Schwarz? Die Antwort: b2:(L/S)a1T, und nun 1.Sc3#!.
Die zweite Lösung: Entfernen des Lc1 (schwarzer König via Grundreihe einmarschiert) - nun hat Schwarz tatsächlich keinen letzten Zug und setzt mit 1...K:a2#! selbst matt!
Manche Leser wollten den Bc2 entfernen, um so ein Loch im Bauernzaun zu schaffen. Doch das Loch ist zu schmal, die Felder b3/c3/d3 sind immer noch unpassierbar.

C: Bert Kölske, Urdruck

Schwarz nimmt seinen letzten Zug zurück, dann Hilfsmatt in zwei Zügen - Schwarz beginnt und hilft beim Mattsetzen. (3+3)

Hier gibt es drei Lösungen, was sich als Hauptklippe des ganzen Wettbewerbs erwies:

a) Zurück g5:Dh4 und vorwärts 0...Kh2 1.Kf1 g4 2.h:g4#.
b) Zurück Sf2:Th1! und 0...Sg4 1.0-0! K:h3 2.Tf3# (kein echter Weihnachtswettbewerb ohne versteckte Rochade!).
c) Zurück g2:Dh1! und und 0...g1L 1.Ke2 Lh2 2.Df3#.

Viele Löser rätselten ob des Be4, hielten ihn gar für überflüssig, zumal er nicht nötig ist, um bei b) das Rochaderecht zu garantieren (g2:h3 genügt als letzter Zug). Doch R. Schreiber klärt auf: Damit die Variante c) eindeutig wird! (sonst auch 1.De4 Lh2 2.Dg4#).

Mit Herrn Kölske tauchte ein neuer Name im Weihnachtsrätsel auf, der sich durch eine feine Aufgabe eingeführt hat.“ (H. Bergmann).

 


Lösewettbewerb II: Die Expertenrunde


Von Harald Keilhack, 27. Januar 2007

70 Löser beteiligten sich am Expertenwettbewerb, elf bewältigten alles einwandfrei:

Hannu Lehto (Finnland), Henrik Juel (Dänemark), Martin Both (Überlingen), Hans Bergmann (Aalen), Karl Roscher (Neckargemünd), Paul Maier (Backnang), Kurt Lorenz (Marbach), Rolf Sandau (Oberstenfeld), Jens Guballa (Tamm), Nils Empacher, Thomas Lutzius (beide Stuttgart).

Zwölf Löser lagen entweder bei einer Kleinigkeit daneben, oder aber die Begründung bei Aufgabe E war nicht ganz hinreichend. Sie erhalten ebenfalls noch einen Buchpreis:

Olli Heimo (Finnland), Mario Richter (Berlin), Ulrich Knöpp (Darmstadt), Markus Knapp (Großeicholzheim), Hans-Karl Nusser, Dietmar Fauth (beide München), Randolf Eilenberger (Dossenheim), Gerson Berlinger (Friedrichshall), Herbert Lang (Leimen), Erhard Trefzer (Besigheim), Erhard Mozer (Vaihingen/Enz), Rolf Schreiber (Stuttgart).

Der Wettbewerb wurde diesmal als eher leicht empfunden, was mancherorts sogar den Festtagsfrieden sicherte:

„Einen herzlichen Gruß auch von meiner Frau, die sich bedankt, dass die Aufgaben dieses Jahr nicht ganz so schwer waren und ihren Gatten nicht ganz so sehr absorbierten wie in den vergangenen Jahren.“ (Nils Empacher)

Nichtsdestotrotz, die unscheinbare Aufgabe A sowie die drei Lösungen bei C forderten ihre Opfer auch und gerade unter prominenten Namen.

D: Nach einer Partie Hramow – Roschal 1970, aus dem Buch Techniken des Positionsspiels von Bronznik/Terekhin

Gibt es noch Hoffnung für Weiß? - Ja, 1.Sa6+ Kc8 2.Kf1 Te1+ 3.D:e1 L:e1 4.K:e1 b:a6 5.g4! =,

und unbeschadet dessen, was Computer von dieser Stellung denken, ist es tot remis. Weiß darf nur nie den Bc3 schlagen, sofern ihm Schwarz die Gelegenheit dazu gäbe.
Nicht 1.Kf1? Te1+ 2.D:e1 L:e1 3.Sa6+ b:a6 4.K:e1, und 4...g4! 5.h:g4 h4! zerstört die Festung. Ein Leichtfigurenendspiel ist hoffnungslos, als Beispiel für viele ähnliche Varianten sei 1.Sa6+ Kc8 2.Sc5 Te1+ 3.D:e1 L:e1 4.S:e4 Kd7 5.Kf1 Ld2 6.Ke2 Kc6 7.Kd3 a5 8.g4 (8.S:c3 L:c3 verliert auch) 8...a4 9. S:g5 h:g4 10.h:g4 a3 11.Sf3 a2 12.Sd4+ Kd5 13.Sb3 b5 14.Sa1 b4 15.Sb3 Lc1 genannt.

„Angenehm zu wissen, daß der Computer dem Menschen noch nicht in allen Spielsituationen überlegen ist.“ (Ronald Schäfer)

E: Günther Weeth, Urdruck

Zwei Steine tauschen ihre Plätze, dann Matt in zwei Zügen. (12+11)

Platztausch der beiden Könige, Schwarz ist am Zug, dann 1...Lf2+ 2.Kh5 g6# bzw. 2.Kh3 g1S#. Nicht 1.Sa6+? K:b7 2.T:d7#, weil Schwarz keinen letzten Zug hat!
Schlagfallbilanz: Der Bg2 hat von c7 aus viermal geschlagen, u.a. den umgewandelten weißen a-Bauern und den Lf1 auf einem hellen Feld - somit war g3-g2 nicht der letzte Zug! Die weißen Bauern haben auch viermal geschlagen. Zum fünften fehlenden Stein von Schwarz: Entweder Ba6:b7 in Verbindung mit Umwandlung des schwarzen a-Bauern, oder eine weiße Figur schlug den a-Bauern. Somit scheiden folgende letzte Züge von Schwarz aus: f2:g1L, a7:b6, Kb8-c7, Kc8-c7 (zuvor e7:d8T+ oder T:d8+) mangels Schlagobjekt, e7-e6 (Einsperrung des Lf8).
Ein Platztausch des Kh4 mit dem f- oder g-Bauern hinterließe illegale Bauernstrukturen.

„Wieder mal ein Krimi, der durch die ‘Fußspuren’ der beteiligten Akteure tiefen Einblick in vergangenes Geschehen ermöglicht.“ (Hans Bergmann)

Das Fazit spricht Hort Kiemele aus Leonberg: „Großes Kompliment für die anspruchsvollen und interessanten Aufgaben, die Sie und Ihr Team zusammengestellt haben.“