24.12.2007

Leserwettbewerb der Stuttgarter Zeitung

29.1.2008 Auflösung und Gewinner

 


Weihnachts-Lösewettbewerb 2007

Fünf tückische Schachrätsel

Von Harald Keilhack, 22. Dezember 2007

Wie jedes Jahr seien die StZ-Leser zu unserem Wettbewerb eingeladen. Unter den Einsendern richtiger Lösungen von A und B werden ein schnurloses Telefon, ein Mikrowellengerät mit Grill und ein Farbfernseher verlost.

Achten Sie darauf, dass nach Zurücknehmen oder Umfärben eine legale (= durch regelkonforme Züge herbeizuführende) Stellung entsteht - und ebenso darauf, welche Seite in der entstandenen Stellung am Zug ist bzw. sein kann! Es beginnt immer Weiß. Ausnahme: die Stellung beweist das Gegenteil. Dann darf unter Umständen auch mal Schwarz mattsetzen!

Ferner ist jeweils zu prüfen, ob es nicht mehr als eine Lösung gibt.

Wir wünschen viel Spaß beim Lösen!


A: Werner Keym, Urdruck

Wie lautet das kürzeste Matt? (6+4)

B: Günther Weeth, Urdruck

Ein Stein ist umzufärben, dann Matt in einem Zug. (5+6)

Ø

Als Kür für unsere Experten drei weitere Rätsel. Alle Einsender richtiger Lösungen der Aufgaben C bis E werden bei der Besprechung genannt und erhalten einen Buchpreis.

C: Bernd Schwarzkopf, Urdruck

Gesucht ist eine Stellung mit zwei weißen und zwei schwarzen Steinen, in der Weiß einzügig pattsetzen kann. Dabei sollen die Standfelder der Figuren, gerechnet vom Feldmittelpunkt, ein Viereck maximaler Größe bilden.

In der Beispielstellung (1.T:g8 patt) bilden die Feldermitten von a8, g8, h3 und h1 die Eckpunkte des Viereckes. Doch es geht noch größer. Wie? (Lösung kann spiegelbildlich sein)

D: Harald Keilhack, einer Partie entlehnt

Kann Weiß am Zug gewinnen? (8+9)

E: Günther Weeth/Werner Keym, Urdruck

Weiß nimmt zwei Züge, Schwarz einen (Verteidigungs-)Zug zurück. Kann Weiß anschließend in einem Zug mattsetzen? (10+9)

Ø

Einsendungen werden bis 15. Januar (Poststempel) erbeten an die Stuttgarter Zeitung (Schach), Postfach 106032, 70049 Stuttgart.

Rückfragen etc.: Harald Keilhack

 

 


Auflösung

 

78 Einsendungen brachte unser Weihnachtslösewettbewerb, davon gelangten 374 in die Preisziehung (A und B richtig gelöst). Hier die glücklichen Gewinner:

1. Preis (schnurloses Telefon):
Martin Kummer aus Karlsruhe

2. Preis (Mikrowellengerät mit Grill):
Martin Pfleiderer aus Korntal

3. Preis (Farbfernseher):
Werner Munk aus Stuttgart

Sieger der Expertenrunde sind folgende acht Löser, die alle fünf Aufgaben einwandfrei bearbeiteten: Dietmar Fauth, Norbert Geisler (beide München), Rolf Heimerdinger (Schlierbach), Olli Heimo (Helsinki), Martin Kummer (Karlsruhe), Klaus Wenda (Wien), Nils Empacher, Rolf Schreiber (beide Stuttgart).
Einmal knapp daneben lagen Silvio Baier (Dresden), Jens Guballa (Tamm), Markus Knapp (Großeicholzheim), Herbert Lang (Leimen), Hannu Lehto (Kerava/Finnland), Kurt Lorenz (Marbach), Erhard Mozer (Vaihingen), Karl Roscher (Neckargemünd), Klaus Bernhardt, Peter Lau, Thomas Lutzius und Bernd Schuh (alle Stuttgart), sie erhalten ebenfalls noch einen Buchpreis.

A: Werner Keym, Urdruck

Wie lautet das kürzeste Matt? (6+4)

Ein Desaster auch und gerade für etliche Spitzenlöser, die umgehend mit 1.d5:e6e.p.#? mattsetzen wollten: ...e7-e5 ist keineswegs zwingend der letzte Zug, ebenso war zuletzt Kf8:Lf7 und davor Lg8:f7+ möglich. So dauert es zwei Züge bis zum Matt: 1.L:g7 nebst 2.Tf8#. Eine kleine Gemeinheit zum Auftakt!

B: Günther Weeth, Urdruck

Ein Stein ist umzufärben, dann Matt in einem Zug. (5+6)

Zwei Lösungen:
a) wBf7, was den Lf8 zum Umwandlungsläufer stempelt und g7-g5 als (einzigen) letzten Zug legalisiert: 1.f:g6e.p.#.
b) sBh6, Schwarz hat keinen letzten Zug und darf mit 1...S:f6# selber mattsetzen. Die meisten erfahrenen Mitspieler rochen hier den Kniff mit den zwei Lösungen.

C: Bernd Schwarzkopf, Urdruck

Gesucht ist eine Stellung mit zwei weißen und zwei schwarzen Steinen, in der Weiß einzügig pattsetzen kann. Dabei sollen die Standfelder der Figuren, gerechnet vom Feldmittelpunkt, ein Viereck maximaler Größe bilden.

1.Db3 patt (oder spiegelbildlich wKa1, Db8; sKh1, Bg4) ergibt eine Stellung mit 30 Flächeneinheiten, gerechnet jeweils vom Feldmittelpunkt. Die meisten guten Löser erkannten die Feinheit mit dem Blockadezug der Dame, anstatt auf b3 (g3) etwas herauszubolzen (27 FE). Ansonsten z.B. wKa1, Ta8; sKh1, Bh2; wKa1, Da8; sBh5, Kh4 (je 28 FE), wKf1, Dg8; sKh1, Ba3 (25,5) und wKf1, Dg8; sKh1, Xa2 (25), jeweils mit diversen Spiegelbildern.

D: Harald Keilhack, einer Partie entlehnt

Kann Weiß am Zug gewinnen? (8+9)

1.Tc2!! (der Bc7 ist wertvoller als der Sf3; anderes wie 1.Td2!? T:c7! ist in der Remisbreite) 1...T:f3 (nach z.B. 1...Td7 2.Se5 bliebe Schwarz hilflos, z.B. 2...Td1+ 3.Kb2 Td6 4.Tc6) 2.Tb2 Tf1+ (2...Sb6? 3.T:b6) 3.Kc2 Tf2+ 4.Kc3 T:b2 5.K:b2, und Weiß gewinnt.

Viele Leser beließen es dabei, allerdings verlangt die Gewinnführung, die (erst!) hier bei längerem Rechnen auch von manchen Computerprogrammen gefunden wird, eine gehörige Portion Umsicht. Drohende Springergabeln bei der Annäherung an den e-Bauern und zum Schluss ein paar Pattfallen erschweren die Aufgabe, doch letztlich muss Schwarz nachgeben, z.B. 5...g5 (oder 5...a4 6.Kc3! Sd6 7.Kb4 g5 8.Kc5 Sc8 9.Kd4 nebst Ke5) 6.Kc3 Sd6 7.a4 (nun ist es mit Gabeln auf b5 vorbei) 7...e5 8.Kd2 (8.g4!?) 8...g4 9.Kd3 g6 10.Ke2 h5 11.Kf2 g5 12.Ke3 e4 13.Kd4 h4 14.Kd5! Sc8 15.K:e4 h3 (auch nach Tausch auf g3 gäbe es am Schluss mit Bc7 und Bg7 noch eine Pattfalle) 16.Ke5 Sd6 (Pattfalle) 17.Ke6! und gewinnt.

E: Günther Weeth/Werner Keym, Urdruck

Weiß nimmt zwei Züge, Schwarz einen (Verteidigungs-)Zug zurück. Kann Weiß anschließend in einem Zug mattsetzen? (10+9)

Die Musterlösung nach Klaus Wenda: Weiß kann nicht einzügig mattsetzen!

1.Lh3-f1! (droht 2.Kf1-e1 und vorwärts Lg2#):
1...Kg1-h1? 2.Kd1-e1 (oder anders), Tf1#;
1...Lg1-h2? (Lg1:Bh2?) 2.Th5-a5, Lg2#;
1...Lg3-h2? 2.Ta1-a5, 0-0-0#.

Der sLh2 entstand durch Umwandlung des Bc7 auf g1. Dieser Bauer schlug hierbei zwei Springer, die Dame und die durch schlaglose Umwandlung des wBa2 auf a8 entstandene Figur (= vier Schlagfälle). Die weißen Bauern haben auch viermal geschlagen, und zwar zwei Springer, die Dame und den Damenturm. Die Rochade ist somit zulässig. Nicht zur Verfügung als Schlagobjekte für die Bauern standen Th8, Lf8, Ba7 (schlaglose Umwandlung des Ba2), Lc1, Bh2, daher ist die Rückname 1.Lh3:Df1? Dg2-f1+ 2.Kf1-e1, 1.L:g2# illegal.
So weit, so gut, aber Schwarz hat noch einen wirksamen Pfeil im Köcher:
1...Lg3:Bh2!! (von vielen Spitzenlösern übersehen) - der Umwandlungsläufer muss nun via f2 nach g3 gekommen sein, der Ke1 hat schon gezogen. Die Rochade ist nicht mehr legal, und Weiß kann nicht mattsetzen!

Als kleines Schmankerl noch ein Bild von Löser Rolf Sandau zur optischen Illustration, wo die geschlagenen Figuren verblieben sein könnten: