24.12.2008

Leserwettbewerb der Stuttgarter Zeitung

Auflösung

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Weihnachts-Lösewettbewerb 2008

Fünf Schachaufgaben mit Pfiff

Von Harald Keilhack, 20./24. Dezember 2008

Wie jedes Jahr seien die Leser zu unserem Wettbewerb eingeladen. Unter den Einsendern richtiger Lösungen von A und B werden ein Falk Navigationssystem E 30, ein Apple I-Pod „nano“ 4 GB und eine Panasonic Grillmikrowelle „NN-K125M“ verlost.

Achten Sie darauf, dass nach Zurücknehmen, Entfernen oder Ergänzen eine legale (= durch regelkonforme Züge herbeizuführende) Stellung entsteht - und auch darauf, welche Seite in der entstandenen Stellung am Zug ist bzw. sein kann! Wenn Schwarz keinen letzten Zug hat, darf ggf. auch mal Schwarz mattsetzen. Bei den Rückzügern B und E entscheidet jede Partei selbst darüber, ob und ggf. wie entschlagen wird (= die Rücknahme eines Schlagzuges zaubert einen gegnerischen Stein zurück aufs Brett). Ferner ist jeweils zu prüfen, ob es nicht mehr als eine Lösung gibt.

Viel Spaß beim Lösen und Kommentieren!

A: Werner Keym, Urdruck



Entferne einen Stein, dann Matt in zwei Zügen. (6+2-1)


B: Günther Weeth, Urdruck

Weiß nimmt seinen letzten Zug zurück und setzt statt dessen in zwei Zügen Matt. (4+4)

Ø

Für unsere Experten drei weitere Rätsel: Bei E kommt es darauf an, durch geschicktes Entschlagen mittels retroanalytischer Zwänge die Initiative zu bewahren. Alle Einsender richtiger Lösungen werden bei der Auflösung genannt und erhalten einen Buchpreis.

C: Günther Weeth/Werner Keym, Urdruck

Ergänze einen Bauern und einen weiteren Stein so, dass der letzte, schachbietende Zug eindeutig ist. Eine Lösung sei verraten: +sBd5, +wLa1, zuletzt nur e5-e6+ möglich. (4+2+2)

D: Günther Weeth, Urdruck

Ergänze eine schwarze Leichtfigur, dann Matt in zwei Zügen. (13+11+1)

E: Günther Weeth/Werner Keym, Urdruck

Weiß und Schwarz nehmen möglichst wenige Züge zurück, wobei sich Schwarz verteidigt, dann Matt in einem Zug. (12+10)

Ø

Einsendungen werden bis 15. Januar (Poststempel) erbeten an die Stuttgarter Zeitung (Schach), Postfach 106032, 70049 Stuttgart.

Rückfragen etc.: Harald Keilhack

 

 


Auflösung

 

71 Einsendungen brachte unser Weihnachtslösewettbewerb, davon gelangten nur 45 in die Preisziehung (A und B richtig gelöst). Hier die glücklichen Gewinner:

1. Preis (Falk-Navigationssystem):
Irma Maurer aus Rupertshofen

2. Preis (Apple I-Pod):
Ronald Schäfer aus Aalen

3. Preis (Panasonic-Grillmikrowelle):
Jens Guballa aus Tamm

Sieger der Expertenrunde sind folgende elf Löser, die alle fünf Aufgaben einwandfrei bearbeiteten: Silvio Baier (Dresden), Dietmar Fauth (München), Andrey Frolkin (Kiew), Norbert Geisler (München), Jens Guballa (Tamm), Olli Heimo (Helsinki), Kurt Lorenz (Marbach), Thomas Lutzius (Stuttgart), Frank Moralee (Brough/England), Rolf Schreiber (Stuttgart), Klaus Wenda (Wien).
Einmal knapp daneben lagen Hans Bergmann (Aalen), Gerson Berlinger (Friedrichshall), Randolf Eilenberger (Dossenheim), Nils Empacher (Stuttgart), Martin Kummer (Karlsruhe), Markus Knapp (Großeicholzheim), Peter Michael (Goslar), Mario Richter (Berlin), Ronald Schäfer (Aalen) und Bernd Schwarzkopf (Neuss). Sie erhalten gleichfalls einen Buchpreis.

A: Werner Keym, Urdruck



Entferne einen Stein, dann Matt in zwei Zügen. (6+2-1)

Offenkundig –Sg2, 1.Tgg2! und 2.Df8#. So hatten auch Einsteiger ihr vermeintliches Erfolgserlebnis. Erfahrene Recken witterten Böses: „Habe lange nach einer Falle oder zweiten Lösung gesucht: Nix“ (Rodolfo Buse)
Doch in der Tat: –Bd5, Schwarz hat keinen letzten Zug und sieht sich in Zugzwang: 0...K:e2 1.Dd8 Kf3/Kf1 2.Dd1# bzw. symmetrisch 0...K:g4 1.Da5 Kh3/Kf3 2.Dh5#. „Das ist nach dem Hinweis im Vorspann zu einem eventuell fehlenden letzten schwarzen Zug nicht so schwierig.“ (Schwarzkopf)

B: Günther Weeth, Urdruck

Weiß nimmt seinen letzten Zug zurück und setzt statt dessen in zwei Zügen Matt. (4+4)

Zurück nur Kc8:Bb7. Der weiße König ist dann via d7/d8 nach c8 gelangt, mithin darf Schwarz nicht mehr rochieren, also 1.f6 und 2.Td8#. Die Rücknahme von Kc8-b7? reicht nicht zum Nachweis des Rochadeverbots, Schwarz hat zuletzt ...h7-h6 (oder ...g7:h6) gespielt, und davor könnte Weiß einen schwarzen Stein geschlagen haben.
„Ich habe mir das mit der Rochade gleich gedacht, weil das immer wieder kommt!“ (S. Ilg).

C: Günther Weeth/Werner Keym, Urdruck

Ergänze einen Bauern und einen weiteren Stein so, dass der letzte, schachbietende Zug eindeutig ist. Eine Lösung sei verraten: +sBd5, +wLa1, zuletzt nur e5-e6+ möglich. (4+2+2)

Neben der vorgegebenen Lösung gibt es drei weitere:
a) +sBg7, +wTg8, zuletzt nur Bf7:Sg8T# (auch ein Matt ist ein Schachgebot), die geschlagene Figur auf g8 kann nur ein Springer gewesen sein
b) +sBg6, +sLh6, zuletzt nur g7-g6+
c) +sBf4!, +wLa1, zuletzt nur d5:e6 e.p.+, e7-e5, d4-d5+, e5:Xf4. Der Bf4 verhindert die Rücknahme von e5-e6+, da Schwarz zuvor keinen Zug gehabt hätte.

D: Günther Weeth, Urdruck

Ergänze eine schwarze Leichtfigur, dann Matt in zwei Zügen. (13+11+1)

Als letzte Züge von Schwarz kommen nur ...b7-b6 und ...e7-e5 in Betracht. Nach +sSc8 scheidet ...b7-b6 aus: Zwei Umwandlungsfiguren incl. Lb1 bei sieben schwarzen Bauern auf dem Brett. Mit ...e7-e5 ist die Stellung indes legal, sLf8 wurde auf f8 geschlagen, die schwarzen Schwerfiguren erklären die drei Schlagfälle der weißen Bauern. Der schwarze f-Bauer hat einen weißen Springer geschlagen und sich auf e1 oder g1 in einen Springer umgewandelt. Also 1.f5:e6+ e.p. h:g6 2.D:g6#.
Zweite Lösung: +sLb8, Schwarz hat keinen letzten Zug und setzt mit 1...c6+ 2.K:e5 L:d6# selbst matt! Zuletzt ...b7-b6? stempelt den Lb1 zur Umwandlungsfigur, für die nicht genug Schlagmaterial zur Verfügung steht. wBa2/b2 können nicht umgewandelt haben, um als Schlagobjekte für den f-Bauern zu dienen: Überkreuzschlag a6/b6 kostet zu viel Holz. Zuletzt ...e7-e5? sperrt den Lf8 ein und stempelt den Lb8 zum Umwandlungsläufer auf c1/a1, wozu ebenfalls die Schlagobjekte fehlen.
Fehlversuche: Bei +sLc8? ist zuletzt ...b7-b6 möglich, zuvor wBb6:Ta7-a8S und sBf:Sg-g2:Sf1L. +sLg8? ist nur mit Schwarz am Zug legal, doch es gibt kein Matt.

E: Günther Weeth/Werner Keym, Urdruck

Weiß und Schwarz nehmen möglichst wenige Züge zurück, wobei sich Schwarz verteidigt, dann Matt in einem Zug. (12+10)

Für Td8# muss per Entschlagen eine Deckungsfigur beschafft werden, was per fünfzügigem Vorplan geschieht: 1.g5:Lh6! (= Umwandlungsfigur, entstanden aus sBh:Xg-g3:Xh2:Tg1L) f6-f5/a7-a6 (f7-f5? illegal wegen Königs-Einsperrung; b6-b5? oder b7:Sa6? oder e6:Sf5? illegal wegen Schlagfallbilanz) 2.a4-a5 a7-a6/f6-f5 3.c2:Lb3! La2:Sb3+ (3...La2:Lb3+? illegal wegen der Feldfarbe des weißen Läufers) 4.Sd4-b3 (4.Sa5-b3? Lb1-a2+ 5.Sb7/c6-a5 Retropatt) Lb1-a2+ 5.Se6-d4 (5.Sc6-d4? Retropatt, dieser Umstand wurde von etlichen starken Lösern übersehen), kein Retropatt (5...La2-b1), daher 1.Td8#.
Nicht aber 1.a4-a5? (thematische Verführung) wegen 1...b6-b5!! (1...b7:Sa6? 2.Sb8:La6 und 3.Sc6-b8, vorwärts 1.T:d8#; 1...e6:Sf5? 2.Sd4-f5 a7-a6 3.Sc6:Xd4, vorwärts 1.T:d8#), und 2.c2:Lb3? ist jetzt illegal, denn aufgrund der notwendigen Schlagfälle sLa2:Sb3+, sBb7:Sa6 und sBa7:Lb6 (nur so gelangt der Ta1 nach d7) müsste Weiß alle fehlenden schwarzen Steine schlagen. Darunter auch der h-Bauer, der mangels Schlagobjekt (der weiße Königsturm ist unerreichbar) die h-Linie nicht verlassen konnte, und zwar nur durch wBg5:Bh6, was den wK endgültig einsperren würde.

„Ein Hammerschlüssel!“ (Wenda)
„Das ist nicht mehr nur Denksport, das ist Denkleistungssport.“ (Peter Lau, Stuttgart)