![]() |
24.12.2008
Leserwettbewerb der Stuttgarter Zeitung
Archiv
der Lösewettbewerbe:
2000
2001
2003
2004
2005
2006
2007
Fünf
Schachaufgaben mit Pfiff
Von Harald Keilhack, 20./24. Dezember 2008
Wie jedes Jahr seien die Leser zu unserem Wettbewerb eingeladen. Unter den Einsendern richtiger Lösungen von A und B werden ein Falk Navigationssystem E 30, ein Apple I-Pod „nano“ 4 GB und eine Panasonic Grillmikrowelle „NN-K125M“ verlost.
Achten Sie darauf, dass nach Zurücknehmen, Entfernen oder Ergänzen eine legale (= durch regelkonforme Züge herbeizuführende) Stellung entsteht - und auch darauf, welche Seite in der entstandenen Stellung am Zug ist bzw. sein kann! Wenn Schwarz keinen letzten Zug hat, darf ggf. auch mal Schwarz mattsetzen. Bei den Rückzügern B und E entscheidet jede Partei selbst darüber, ob und ggf. wie entschlagen wird (= die Rücknahme eines Schlagzuges zaubert einen gegnerischen Stein zurück aufs Brett). Ferner ist jeweils zu prüfen, ob es nicht mehr als eine Lösung gibt.
Viel Spaß beim Lösen und Kommentieren!
A: Werner Keym, Urdruck

Entferne einen
Stein, dann Matt in zwei Zügen. (6+2-1)
B: Günther Weeth, Urdruck

Weiß nimmt seinen letzten Zug zurück und setzt statt dessen in zwei Zügen Matt. (4+4)
Ø
Für unsere Experten drei weitere Rätsel: Bei E kommt es darauf an, durch geschicktes Entschlagen mittels retroanalytischer Zwänge die Initiative zu bewahren. Alle Einsender richtiger Lösungen werden bei der Auflösung genannt und erhalten einen Buchpreis.
C: Günther Weeth/Werner Keym, Urdruck
Ergänze einen Bauern und einen weiteren Stein so, dass der letzte, schachbietende Zug eindeutig ist. Eine Lösung sei verraten: +sBd5, +wLa1, zuletzt nur e5-e6+ möglich. (4+2+2)
D:
Günther Weeth, Urdruck

Ergänze eine schwarze Leichtfigur, dann Matt in zwei Zügen. (13+11+1)
E: Günther Weeth/Werner Keym, Urdruck

Weiß und Schwarz nehmen möglichst wenige Züge zurück, wobei sich Schwarz verteidigt, dann Matt in einem Zug. (12+10)
Ø
Einsendungen werden bis 15. Januar (Poststempel) erbeten an die Stuttgarter Zeitung (Schach), Postfach 106032, 70049 Stuttgart.
Rückfragen etc.: Harald Keilhack
71 Einsendungen brachte unser Weihnachtslösewettbewerb, davon gelangten nur 45 in die Preisziehung (A und B richtig gelöst). Hier die glücklichen Gewinner:
1. Preis
(Falk-Navigationssystem):
Irma Maurer aus Rupertshofen
2. Preis
(Apple I-Pod):
Ronald Schäfer aus Aalen
3. Preis
(Panasonic-Grillmikrowelle):
Jens Guballa aus Tamm
Sieger
der Expertenrunde sind folgende elf Löser, die alle fünf Aufgaben einwandfrei
bearbeiteten: Silvio Baier (Dresden), Dietmar Fauth (München),
Andrey Frolkin (Kiew), Norbert Geisler (München), Jens
Guballa (Tamm), Olli Heimo (Helsinki), Kurt Lorenz (Marbach),
Thomas Lutzius (Stuttgart), Frank Moralee (Brough/England),
Rolf Schreiber (Stuttgart), Klaus Wenda (Wien).
Einmal knapp daneben
lagen Hans Bergmann (Aalen), Gerson Berlinger (Friedrichshall), Randolf Eilenberger
(Dossenheim), Nils Empacher (Stuttgart), Martin Kummer (Karlsruhe), Markus
Knapp (Großeicholzheim), Peter Michael (Goslar), Mario Richter (Berlin),
Ronald Schäfer (Aalen) und Bernd Schwarzkopf (Neuss). Sie erhalten gleichfalls
einen Buchpreis.
A: Werner Keym, Urdruck

Entferne einen
Stein, dann Matt in zwei Zügen. (6+2-1)
Offenkundig
–Sg2, 1.Tgg2! und 2.Df8#. So hatten auch Einsteiger ihr vermeintliches
Erfolgserlebnis. Erfahrene Recken witterten Böses: „Habe lange nach einer
Falle oder zweiten Lösung gesucht: Nix“ (Rodolfo Buse)
Doch in der Tat: –Bd5, Schwarz hat keinen letzten Zug und sieht sich
in Zugzwang: 0...K:e2 1.Dd8 Kf3/Kf1 2.Dd1# bzw. symmetrisch 0...K:g4 1.Da5
Kh3/Kf3 2.Dh5#. „Das ist nach dem Hinweis im Vorspann zu einem eventuell fehlenden
letzten schwarzen Zug nicht so schwierig.“ (Schwarzkopf)
B: Günther Weeth, Urdruck

Weiß nimmt seinen letzten Zug zurück und setzt statt dessen in zwei Zügen Matt. (4+4)
Zurück
nur Kc8:Bb7. Der weiße König ist dann via d7/d8 nach c8 gelangt, mithin
darf Schwarz nicht mehr rochieren, also 1.f6 und 2.Td8#. Die Rücknahme von
Kc8-b7? reicht nicht zum Nachweis des Rochadeverbots, Schwarz hat zuletzt
...h7-h6 (oder ...g7:h6) gespielt, und davor könnte Weiß einen schwarzen Stein
geschlagen haben.
„Ich habe mir das mit der Rochade gleich gedacht, weil das immer wieder kommt!“
(S. Ilg).
C: Günther Weeth/Werner Keym, Urdruck
Ergänze einen Bauern und einen weiteren Stein so, dass der letzte, schachbietende Zug eindeutig ist. Eine Lösung sei verraten: +sBd5, +wLa1, zuletzt nur e5-e6+ möglich. (4+2+2)
Neben der
vorgegebenen Lösung gibt es drei weitere:
a) +sBg7, +wTg8, zuletzt nur Bf7:Sg8T# (auch ein Matt ist ein Schachgebot),
die geschlagene Figur auf g8 kann nur ein Springer gewesen sein
b) +sBg6, +sLh6, zuletzt nur g7-g6+
c) +sBf4!, +wLa1, zuletzt nur d5:e6 e.p.+, e7-e5, d4-d5+, e5:Xf4. Der
Bf4 verhindert die Rücknahme von e5-e6+, da Schwarz zuvor keinen Zug gehabt
hätte.
D:
Günther Weeth, Urdruck

Ergänze eine schwarze Leichtfigur, dann Matt in zwei Zügen. (13+11+1)
Als letzte
Züge von Schwarz kommen nur ...b7-b6 und ...e7-e5 in Betracht. Nach +sSc8
scheidet ...b7-b6 aus: Zwei Umwandlungsfiguren incl. Lb1 bei sieben schwarzen
Bauern auf dem Brett. Mit ...e7-e5 ist die Stellung indes legal, sLf8 wurde
auf f8 geschlagen, die schwarzen Schwerfiguren erklären die drei Schlagfälle
der weißen Bauern. Der schwarze f-Bauer hat einen weißen Springer geschlagen
und sich auf e1 oder g1 in einen Springer umgewandelt. Also 1.f5:e6+ e.p.
h:g6 2.D:g6#.
Zweite Lösung: +sLb8, Schwarz hat keinen letzten Zug und setzt mit
1...c6+ 2.K:e5 L:d6# selbst matt! Zuletzt ...b7-b6? stempelt den Lb1
zur Umwandlungsfigur, für die nicht genug Schlagmaterial zur Verfügung steht.
wBa2/b2 können nicht umgewandelt haben, um als Schlagobjekte für
den f-Bauern zu dienen: Überkreuzschlag a6/b6 kostet zu viel Holz. Zuletzt
...e7-e5? sperrt den Lf8 ein und stempelt den Lb8 zum Umwandlungsläufer auf
c1/a1, wozu ebenfalls die Schlagobjekte fehlen.
Fehlversuche: Bei +sLc8? ist zuletzt ...b7-b6 möglich, zuvor wBb6:Ta7-a8S
und sBf:Sg-g2:Sf1L. +sLg8? ist nur mit Schwarz am Zug legal, doch es gibt
kein Matt.
E: Günther Weeth/Werner Keym, Urdruck

Weiß und Schwarz nehmen möglichst wenige Züge zurück, wobei sich Schwarz verteidigt, dann Matt in einem Zug. (12+10)
Für Td8# muss per
Entschlagen eine Deckungsfigur beschafft werden, was per fünfzügigem Vorplan
geschieht: 1.g5:Lh6! (= Umwandlungsfigur, entstanden aus sBh:Xg-g3:Xh2:Tg1L)
f6-f5/a7-a6 (f7-f5? illegal wegen Königs-Einsperrung; b6-b5?
oder b7:Sa6? oder e6:Sf5? illegal wegen Schlagfallbilanz) 2.a4-a5 a7-a6/f6-f5
3.c2:Lb3! La2:Sb3+ (3...La2:Lb3+? illegal wegen der Feldfarbe des weißen
Läufers) 4.Sd4-b3 (4.Sa5-b3? Lb1-a2+ 5.Sb7/c6-a5 Retropatt)
Lb1-a2+ 5.Se6-d4 (5.Sc6-d4? Retropatt, dieser Umstand wurde von etlichen
starken Lösern übersehen), kein Retropatt (5...La2-b1),
daher 1.Td8#.
Nicht aber 1.a4-a5? (thematische Verführung) wegen 1...b6-b5!! (1...b7:Sa6?
2.Sb8:La6 und 3.Sc6-b8, vorwärts 1.T:d8#; 1...e6:Sf5? 2.Sd4-f5 a7-a6 3.Sc6:Xd4,
vorwärts 1.T:d8#), und 2.c2:Lb3? ist jetzt illegal, denn aufgrund der notwendigen
Schlagfälle sLa2:Sb3+, sBb7:Sa6 und sBa7:Lb6 (nur so gelangt der Ta1 nach
d7) müsste Weiß alle fehlenden schwarzen Steine schlagen. Darunter auch
der h-Bauer, der mangels Schlagobjekt (der weiße Königsturm ist
unerreichbar) die h-Linie nicht verlassen konnte, und zwar nur durch wBg5:Bh6,
was den wK endgültig einsperren würde.
„Ein Hammerschlüssel!“
(Wenda)
„Das ist nicht mehr nur Denksport, das ist Denkleistungssport.“ (Peter Lau,
Stuttgart)