Weihnachts-Lösewettbewerb 2014
der Stuttgarter Zeitung: Auflösung und Gewinner

Weihnachtsrätsel Viel Mühe bereitete der auf h6 versteckte Springer von Werner Keym. Von Harald Keilhack

Weiter unten die Original-Ausschreibung

31 Einsendungen kamen in die Preisziehung. Voraussetzung dafür waren "1,5 aus 2" bei A und B, d.h. mindestens eine komplett richtige und eine teilweise richtige Lösung. Die glücklichen Gewinner:

1. Preis (Apple iPod Touch):
Peter Wauschkuhn aus Stuttgart
2. Preis (Falk-Navigationssystem):
Jens Guballa aus Tamm
3. Preis (Apple iPod Nano):
Jürgen Berthel aus Stuttgart

Neun Experten meisterten alle Feinheiten wie etwa den auf h6 versteckten Springer bei der Aufgabe von Keym:

Olli Heimo
Hannu Lehto (beide Finnland)
Gerson Berlinger (Bad Friedrichshall)
Günther Büsing
Dietmar Fauth (beide München)
Rainer Kuhn (Worms)
Mario Richter (Berlin)
Karl Roscher (Neckargemünd)
Rolf Schreiber (Stuttgart).

Sie erhalten einen Buchpreis. Sehr gute Lösungen sandten auch P. Maier, Sandau, Juel, Heimerdinger, Baier, Eilenberger, Guballa, Empacher, B. Schuh und Bergmann ein; es fehlte jeweils nur ein Tüpfelchen auf dem i.

Der Dank gilt auch Ihnen sowie an zahlreiche weitere oft phantasie- und humorvolle Einsender! Und natürlich an die geistigen Väter des Wettbewerbs, Günther Weeth und Werner Keym, die ungezählte Stunden über der Auswahl, Erstellung und Bearbeitung der Aufgaben brüteten und diskutierten.

Scharfrichter war überraschend die Aufgabe A, und hier insbesondere der im Retrospiel gut versteckte Springer auf h6. Manche Löser lösten mit f7:Xe8L+, was illegal ist; andere wiederum erkannten die Illegalität, verwarfen aber damit die Rücknahme von f5:g6 e.p.ohne zu erkennen, dass diese durch Entschlag eines Springers auf h6 sehr wohl legalisiert werden kann.

Ein paar Leser fanden die Aufgabe D in Datenbanken; manch einer sogar den Vorgänger (und damit zumindest das Lösungsmotiv) bei E. Im nächsten Jahr wird es mithin fünf astreine Originalaufgaben geben!

Insgesamt wurde die Aufgabe A 16 mal komplett richtig gelöst; bei B waren es 34, D 17 und E 22 korrekte Lösungen. Im einzelnen:

A: Werner Keym, Urdruck

Wie lauteten die letzten zwei Züge? (4+12)

Es gibt zwei Lösungen:
a) 1.Ke3:Bd3+ e4:d3+ e.p. 2.d2-d4 b6-b5+
b) 1.f5:g6+ e.p. g7-g5 2.f4-f5+ Kg6:Sh6+!
Nicht 2…Kg6-h6?, denn nun würde das vorangegangene f7:Xe8L+ zusammen mit dem f-Doppelbauern einen weißen Schlagfall zuviel produzieren: Denn Lc8 und Lf8 wurden auf ihren Ausgangsfeldern geschlagen.

B: Günther Weeth, Urdruck

Weiß nimmt einen Zug zurück, dann Matt in zwei Zügen. (8+7)

Lösung: zurück 1.g2:Bf3!, stattdessen 1.T:b7 und 2.Tb8#. Der La2 wird zur Umwandlungsfigur gestempelt, die als Bauer auf d7 oder f7 die schwarze Rochade verhindert hat (Lf8 fällt als Schlagobjekt aus). Bei Entschlag einer Figur auf f3 vereitelt diese das zweizügige Matt (1.g2:Sf3?, 1.T:b7 Sd2+).
Bei Rücknahme von 1.g2-g4? ist eine Umwandlung via h7 und g8 möglich, mit Wahrung der Rochaderuhe.
Es gab auch Löser, die uns jede Raffinesse zutrauten und mit Schwarz mattsetzten (zurück 1.g2:f3D, vor 1.e4 Dd1#); das blieb natürlich ohne Einfluß auf die Bewertung. Nicht zielführend ist das mitunter vorgeschlagene zurück 1.g5:h6 e.p.?, vor 1.T:b7 0-0!. Der La2 ist in diesem Fall kein Umwandlungsläufer (g2-g3, Lf1-h3-f5, g3-g4).

C: Klaus Wenda, Urdruck

Die Aufgabe wurde wegen dualistischer Nebenlösungen umgehend zurückgezogen. Die wenigen Löser, die sich dennoch mit der Aufgabe befaßten, fanden meist (weitere) Lösungen.
Da der Autor die Veröffentlichung einer Korrekturfassung plant, sei hier zunächst nichts weiteres verraten.

D: Wolfgang Dittmann, feenschach 1877, 1. Preis, verliehen von der großen Stuttgarter Retroschach-Legende Josef Haas

Weiß nimmt einen Zug so zurück, dass in der Diagrammstellung möglichst viele Umwandlungsfiguren nachzuweisen sind! (13+12)

Lösung: zurück 1.g5:f6 e.p.!, und alle vier Springer sind durch Umwandlung entstanden.
Schwarz ist in Zugnot und muss im Zug vor …f7-f5 den Sc1 entwandeln (Rücknahme von d2-d3 = illegaler Umwandlungsläufer auf a3), und der Knoten rechts oben ist nur durch Entwandlung des Sf8 aufzulösen.
Die vier weißen Schlagfälle sind g5:f6 e.p., a2:b3, f6:Se7 und e7:Df8S. Bei Schwarz c3:Td2, d2:Sc1S, h7:Sg6; a- und h-Bauer sind zur Springerumwandlung durchgelaufen.
Schwarz kann e7-e6 erst zurücknehmen, wenn der weiße König die achte Reihe verlassen hat, z.B. 1.g5:f6 e.p.! f7-f5 2.Dc5-e7 d2:Sc1S (d2:Tc1? illegal, da für voriges T:c1+ kein Schlagobjekt zur Verfügung steht) 3.e7:Df8S Dd8-f8 4.f6:Se7 Sd5-e7 5.f5-f6 Db6-d8 6.f4-f5 Sc7-d5 7.f3-f4 Td8-g8 8.Kg8-h7 Se8-c7+ 9.Kf8-g8 Db5-b6 10.Ke7-f8 usw.; sSa1 und wSh8 entwandeln.

Bei der Verführung 1.g5:f6? ohne e.p. wäre f7 offen, und der entschlagene Sc1 könnte nach h8 zurückgespielt werden. Mitunter wurde auch 1.d2-d3? vorgeschlagen. Dies weißt drei Umwandlungsfiguren sowie eine weitere Umwandlung im früheren Partieverlauf nach (die umgewandelte Figur wurde zwischenzeitlich geschlagen), löst aber nicht die Aufgabe.

E: Günther Weeth, nach Nikita Plaksin, Die Schwalbe 1978, 1. Preis

Kürzeste Auflösung der Stellung? (12+14)

Die Schlagfallbilanz:
Bei Weiß b2:a3, c-Bauer schlägt auf b3 oder b5 den Lc8. Der f-Bauer wurde auf f8 in einen Läufer umgewandelt, der h-Bauer auf h8 umgewandelt und diente später als Schlagobjekt.
Bei Schwarz: b:c6, e:d6, f:e, h:g samt Umwandlung in einen Läufer auf g1.

Vorüberlegungen: Wegen Schachgebot zuletzt b2:Ba3+. Der weiße f-Bauer muss im Rückwärtsspiel erst entwandelt und bis mindestens f3 zurückgespielt werden, bevor an f4:e3 oder f3:e2 gedacht werden kann. Ein schwarzer Läufer muss zurück nach f8 geführt werden, bevor e7:d6 zurückgenommen werden kann. Ein weiterer L muss entschlagen und nach c8 zurückgespielt werden, bevor b:c6 zurückgenommen werden kann. Und vor …h:g muss der auf h8 umgewandelte weiße h-Bauer nach Hause geführt werden.

Mithin: 1.b2:Ba3+ e3-e2 (der Schnellschuss 1…f3:Te2? scheitert, siehe oben!) 2.Lf2-g1 Lg1-h2 3.Sf3-g5! Lh2-g1 4.Sd2-f3 Lg1-h2 5.Sb1-d2 Lh2-g1 6.Sc3-b1 Lg1-h2 7.Le1-f2 (erst jetzt möglich) Lh2-g1 8.Ld2-e1 Lg1-h2 9.Sf2-h1 Lh2-g1 10.Sh3-f2 (oder über g4; es gibt auch eine weitere, leicht veränderte Version des Rückwärtsspiels mit gleichvielen Zügen) Lg1-h2 11.Sg5-h3 Lh2-g1 (oder über f2 pendeln) 12.Sf7-g5 Lg1-h2 13.Sh8-f7 Lh2-g1 14.h7-h8S Lg1-h2 15.h6-h7 Lh2-g1 16.h5-h6 Lg1-h2 17.h4-h5 g2-g1L 18.h2-h4 h3:Tg2 19.Tg1-g2 h4-h3 20.Tb1-g1 h5-h4 21.Lc1-d2 h6-h5 22.d2-d3 (jetzt erst möglich) h7-h6 23.Kd3-d4, und die Stellung ist aufgelöst.

Der Umwandlungsläufer auf b6 zieht zur Entwandlung über d4 nach f8.

Thematischer Inhalt: Ein weißer Springer muss zuerst entwandelt und der Umwandlungsbauer auf sein Ursprungsfeld gezogen werden, ehe ein weißer Originalturm zuerst entschlagen und dann über das kritische Feld c1 befördert werden kann. Dann erst kann ein Originalläufer zurückgeführt werden und der hinderliche Bd3 dem weißen König Platz machen. Kernpunkt des gesamten Manövers: die Erstellung eines typischen Springerschilds zwecks Schachschutz. Die (veränderte) Matrix geht zurück auf Nikita Plaksin, Die Schwalbe 1978, 1. Preis.

 

Schachknobeleien Wie jedes Jahr seien die Leser zu unserem Rätselspiel mit vielen Preisen eingeladen. Von Harald Keilhack

Unter den Einsendern richtiger Lösungen von A und B werden ein Apple iPod Touch, ein Falk-Navigationssystem und ein Apple iPod Nano verlost. Wer alle vier Aufgaben korrekt löst, wird ehrend erwähnt und erhält einen Buchpreis. Achten Sie darauf, dass bei allen Rücknahmen die Legalität der Stellung gewahrt bleibt. Zu prüfen ist jeweils, ob es mehrere Lösungen gibt.
Achtung: Die Aufgabe von Klaus Wenda, im Original in der Stuttgarter Zeitung vom 20.12. als Aufgabe C abgedruckt, wurde vom Autor wegen Nebenlösigkeit zurückgezogen! Lösungsvorschläge zu dieser Aufgabe gehen nicht in die Wertung ein.


A: Werner Keym, Urdruck

Wie lauteten die letzten zwei Züge? (4+12)

B: Günther Weeth, Urdruck

Weiß nimmt einen Zug zurück, dann Matt in zwei Zügen. (8+7)

C: Klaus Wenda, Urdruck

zurückgezogen!

D: Hommage

Weiß nimmt einen Zug so zurück, dass in der Diagrammstellung möglichst viele Umwandlungsfiguren nachzuweisen sind! (13+12)

Lösung: zurück 1.g5:f6 e.p.!, und alle vier Springer sind durch Umwandlung entstanden.
Schwarz ist in Zugnot und muss im Zug vor …f7-f5 den Sc1 entwandeln (Rücknahme von d2-d3 = illegaler Umwandlungsläufer auf a3), und der Knoten rechts oben ist nur durch Entwandlung des Sf8 aufzulösen.
Die vier weißen Schlagfälle sind g5:f6 e.p., a2:b3, f6:Se7 und e7:Df8S. Bei Schwarz c3:Td2, d2:Sc1S, h7:Sg6; a- und h-Bauer sind zur Springerumwandlung durchgelaufen.
Schwarz kann e7-e6 erst zurücknehmen, wenn der weiße König die achte Reihe verlassen hat, z.B. 1.g5:f6 e.p.! f7-f5 2.Dc5-e7 d2:Sc1S (d2:Tc1? illegal, da für voriges T:c1+ kein Schlagobjekt zur Verfügung steht) 3.e7:Df8S Dd8-f8 4.f6:Se7 Sd5-e7 5.f5-f6 Db6-d8 6.f4-f5 Sc7-d5 7.f3-f4 Td8-g8 8.Kg8-h7 Se8-c7+ 9.Kf8-g8 Db5-b6 10.Ke7-f8 usw.; sSa1 und wSh8 entwandeln.

Bei der Verführung 1.g5:f6? ohne e.p. wäre f7 offen, und der entschlagene Sc1 könnte nach h8 zurückgespielt werden. Mitunter wurde auch 1.d2-d3? vorgeschlagen. Dies weißt drei Umwandlungsfiguren sowie eine weitere Umwandlung im früheren Partieverlauf nach (die umgewandelte Figur wurde zwischenzeitlich geschlagen), löst aber nicht die Aufgabe.

E: Günther Weeth, nach Nikita Plaksin, Die Schwalbe 1978, 1. Preis

Kürzeste Auflösung der Stellung? (12+14)

 


Einsendungen erbeten bis 15. Januar (Poststempel) an die Stuttgarter Zeitung (Schach), Postfach 106032, 70049 Stuttgart.